IFRS – Standard mit Weltgeltung als Ziel [VIDEO]

Gemäss den International Financial Reporting Standards (IFRS) erfolgt eine Umsatzrealisierung neu dann, wenn faktisch eine Kontrollausübung vorliegt. Bisher ging das Regelwerk beim Übergang von Nutzen und Gefahren von einem realisierten Umsatz aus.

Standard mit Weltgeltung als Ziel

Tatsächlich ist bei der internationalen Rechnungslegungsnorm nach IFRS viel im Fluss. Wie der Name sagt, ist es das erklärte Ziel der IASC Foundation, einen Standard mit weltweiter Geltung zu etablieren. Die IASC Fondation erklärt es folgendermassen: „Our objective is to develop a single set of high quality, understandable, enforceable and globally accepted financial reporting standards based upon clearly articulated accounting principles“. Seit 2005 ist in der EU die Rechnungslegungsnorm IFRS für alle kotierten Gesellschaften Pflicht und bei einem Grossteil der Länder innerhalb des Verbunds G20 sind die Standards vorgeschrieben oder erlaubt. Ebenfalls seit 2005 besteht in der Schweiz bei Gesellschaften, die an der Hauptbörse der SWX kotiert sind, die Verpflichtung, den Abschluss nach IFRS vorzunehmen. Verschiedene Länder wie Brasilien, Indien, Japan, Indonesien oder China haben das Regelwerk bereits übernommen oder sind dabei, IFRS rechtlich verbindlich einzuführen.

Video: Beat Rüfenacht erklärt die Unterschiede zwischen IFRS, IAS, IFRIC oder SIC. Er zeigt auf, warum bei IFRS der Fokus vor allem beim Reporting liegt. — Hier klicken wenn das Video oben nicht angezeigt wird.

Finanzkrise erhöhte Druck auf Konvergenz

Gemäss Rüfenacht hat die letzte Finanzkrise insbesondere von Seiten der G20-Staaten den politischen Druck erhöht, eine Konvergenz zu erreichen. Die Konvergenz gibt speziell zwischen den USA, die sehr detaillierte Rechnungslegungsnormen installiert haben, und Europa immer wieder zu Diskussionen Anlass. Seit 2007 müssen immerhin ausländische Gesellschaften, welche in den USA kotiert sind, keine Überleitung von IFRS zu US GAAP mehr vornehmen. Geplant ist, dass auch US-Gesellschaften IFRS anwenden dürfen, wobei ein genauer Zeitplan noch ungewiss ist, wie Rüfenacht ausführte.

Das Board, welches für die technischen und interpretatorischen Aspekte von IFRS zuständig ist, ist das Herzstück der IASC Foundation, die seit 2001 in der heutigen Form existiert. Nach einem Vernehmlassungsverfahren, bei dem alle interessierten Parteien (z.B. Branchenorganisationen) ihre Sicht der Dinge einbringen können, werden die Standards herausgegeben. Ein Monitoring Board sorgt für den Informationsausgleich zwischen dem IASB und dem FASB (Financial Accounting Standard Board in den USA) sowie der SEC (Securities and Exchange Commission).

Komplexität der Regelwerke und Nebeneinander verschiedener Normen

Der rechtliche Einbezug von Ländern ins Regelwerk sowie der Detaillierungsgrad der einzelnen Standards haben zu einer hohen Komplexität geführt. Diesen Aspekt von IFRS brachte Sir David Tweedie, langjähriger Vorsitzender des IASB (International Accounting Standard Board) mit typischer britischer Ironie auf den Punkt. „Wenn jemand angibt, die IFRS-Normen verstanden zu haben, dann hat er oder sie die Standards nicht richtig gelesen.“ Die Frage der Komplexität und deren Handhabung ist für börsenkotierte Gesellschaften in der Schweiz, die am Hauptsegment gelistet sind und den Abschluss gezwungenermassen nach IFRS durchführen müssen, mittlerweile ein Grund, ins Nebensegment zu wechseln, wo eine Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER möglich ist. Zumindest sind laut Rüfenacht bei denjenigen Unternehmen, die diesen Schritt gewagt haben, keine negativen Auswirkungen auf den Aktienkurs festzustellen. Zudem sei die Umstellung von IFRS auf Swiss GAAP FER in „technischer Hinsicht“ unproblematisch.

IFRS 9 als wichtige Neuerung und zaghafter Einsatz von IFRS für KMU

Neuerungen innerhalb von IFRS betreffen insbesondere IFRS 9 (Financial Instruments). In der neuen Form soll der Standard IAS 39 ersetzen. Ein Überarbeitung erfahren hat auch IAS 24. Bereits für das Rechnungsjahr relevant waren IFRS 3 sowie Änderungen bei IAS 27.

Weiter ging Rüfenacht auf die wichtigsten Unterschiede zwischen IFRS und Swiss GAAP FER ein. Es wurden etwa folgende Fragen aufgeworfen: Welcher Standard erlaubt beispielsweise keine ausserordentlich Positionen? IFRS (Swiss GAAP FER aber schon). Ein aktuelles Thema stellt IFRS für KMU dar, wobei diese Version von IFRS aufgrund bestimmter Definitionsprobleme nur beschränkt zum Einsatz kommt, wie Rüfenacht ausführte.

In der anschliessenden Diskussion wurde etwa die knifflige Frage diskutiert, wie Mobilfunkanbieter ihren Umsatz mit verkauften Geräten verbuchen. Denn die Situation kennen alle. Abhängig von den gewählten Konditionen für ein Abonnement beim Provider erhält man ein Mobilfunkgerät deutlich billiger oder gar gratis. Wie aber verbucht ein Anbieter solcher Geräte unter diesen Voraussetzungen den Umsatz? Um solche komplexen buchhalterischen Fragestellungen gerecht zu werden muss ein Regelwerk detailliert ausgestaltet sein, aber dennoch Interpretationsspielraum offen lassen.

Der nächste a+c lunch zum Thema „Neues Mehrwertsteuer-Gesetz – Das erste Jahr“ findet am 16. Juni 2011 statt. Anmelden können Sie sich hier.

Weitere Links:

  • International Accounting Standards Board veröffentlicht Standards unter http://www.iasb.org/ (man wird hier automatisch auf http://www.ifrs.org/ weitergeleitet)
  • Falls Sie bei einem öffentlichen IASB Board Meeting oder IFRS Interpretations Committee Meeting dabei sein möchten, klicken Sie hier.
  • Weitere Wissenshappen zum a+c lunch: “IFRS – Was steckt dahinter?” finden Sie hier.